Download PDFEinsparpotenziale zu erschließen und keine Abstriche an der Qualität der Auslieferung zuzulassen, gilt zunehmend auch für die Logistik. Wenn die Software noch mehr kann, lohnt sich eine Investion erst recht.Beim Presse-Grosso, Logistikführer in der Feinverteilung von Printmedien auf regionaler bzw. lokalen Ebene kommen, je nach Größe des Vertriebsgebiets, enorme Kilometerleistungen zusammen. Da entsteht Kostendruck durch steigende Spritpreise und Zeitdruck wegen der mengengerechten Belieferung des Verkaufsstellennetzes.
Rentabilitätsaspekte geraten schnell in den Hintergrund, denn jede Presseverkaufsstelle innerhalb des geschützten Gebietes muss angefahren werden – und sei sie noch so klein. Weiterer Aspekt: wegen der Preisbindung ist es den Grossisten nicht möglich, gestiegene Logistikkosten an die Kunden, den Presse- Einzelhandel, oder die Auftraggeber, die Verlage, weiterzugeben.
Im täglichen Spannungsfeld zwischen später Anlieferung der Frischware und rechtzeitiger Auslieferung beim Presse-EH ist es umso wichtiger, Einsparpotenziale bei der Tourenplanung zu erkennen. Wenn es darüber hinaus auch noch gelingt, zusätzliche Vorteile eines Systems nutzen zu können – umso besser.
Darum ging es den Verantwortlichen beim Presse Vertrieb Potsdam (PVP), als sie im vergangenen Dezember das bereits beim Pressevertrieb Mecklenburg Ost eingeführte Tourenplanungssystem TrackPilot der PLT GmbH (siehe Info-Kasten) bei einem Erfahrungsaustausch kennen lernten. „Wir sahen, dass bei PLT neben dem Einsatz modernster Technologien (GPS, SQL Datenbank, offene Schnittstellen) offensichtlich
erhebliches Know-how vom Grosso vorliegt. Bei der Präsentation erkannten wir, dass uns hier ein Tool angeboten wird, das nicht nur hilft die Touren zu kontrollieren, zu optimieren oder völlig neu zu planen, sondern darüber hinaus inhaltlich und technologisch hervorragend zu dem bei uns verwandten Grosso- EDV-System Microsoft Dynamics (Navision) passt. Sowohl der Datentransfer von Navision zum PLT System (EH-Stammdaten, Gewichte, usw.) als auch das Einlesen der entstehenden Informationen (Geokodierung, Anlieferzeiten, usw.) in das Grossosystem ist einfach zu gestalten. Das Programm ist nutzerfreundlich. Die entstehenden Daten wie geokodierte EH-Standorte, kartografische Darstellungen, und damit die Visualisierung von EH-Standorten, ergänzen hervorragend unsere Überlegungen zum weiteren Ausbau des geographischen Marketings beim PVP“, erläutern die Geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Ditmar Otto und Fred Schumacher. Die Weiternutzung der Daten sei problemlos im vom PVP genutzten Geo-Marketingprogramm RegioGraph möglich.
Geokodierte Informationen nutzen
Im März stellte PLT das Programm zur Tourenplanung in Verbindung mit einer GPS-Fahrzeugortung vor und seit Mai wird damit gearbeitet. Im Rahmen der Einführung des TrackPilot Systems wurde auch zum ersten Mal ein neues Software-Feature zur automatischen Auswertung der Ausliefertouren vorgestellt. Voraussetzung war, den Tourenfahrzeugen die GPS/GPRS-Ortungsboxen mitzugeben. Es mussten lediglich die SIM-Karten freigeschaltet und für Strom gesorgt werden, z.B. über den Zigarettenanzünder. Dann meldet die Box automatisch die gefahrene Strecke und ermittelt die Koordinaten der Haltepunkte. In der mitgelieferten Software werden die EH-Adressen eingespielt und die Haltepunkte den Einzelhändlern zugeordnet.
Da neben den Abladestellen jegliche andere Haltepunkte (Ampeln, Schranken usw.) gemeldet werden, ist in der Praxis einige manuelle Nacharbeit notwendig. „Die Hausnummernzuordnung in den Karten ist nicht immer exakt und mitunter ist die EH-Adresse nicht auch der Ablageort für die Ware. Diese Nacharbeiten werden durch das mitgelieferte Kartenmaterial unterstützt“, sagt Schumacher. Jeder einzelne Kunde bzw. Ort der Ablage lasse sich exakt zuordnen. Dies sei ein einmaliger Aufwand für alle Kunden und müsse dann später nur noch bei neuen Standorten gemacht werden .„Bei der Installation der Software haben wir uns bewußt dafür entschieden, die Softwarebestandteile Datenbank, Kartenmaterial und Datendienst im Netzwerk anzubinden. Mit der Anwendung wird nicht auf einem Einzelplatz, sondern auf einem Terminalsystem mit einem 64 – Bit – Betriebssystem gearbeitet. Damit ist sowohl der direkte als auch der Fernzugriff auf die Anwendung möglich“, erläutert EDV-Leiter Ulf Krüger, eine Installation auf einem Einzelplatz wäre problemlos möglich: „Da das PLT-System sehr gut zu unserer durchgängig auf Microsoft basierenden Infrastruktur passt, musste keine zusätzliche Soft- oder Hardware angeschafft werden.“
Einsatz des Systems in mehreren Schritten
Es erfolgte in mehreren Etappen eine Datenaufnahme, d.h. die Standorte bzw. Ladepunkte der Einzelhändler wurden geokodiert, manuell nachgearbeitet und die Touren im Kartenmaterial visualisiert. Wie lange dies dauert, hängt von der Anzahl der eingesetzten Ortungsboxen ab. „Durch den Abgleich der Planungsdaten und der durch PLT exakt ermittelten Echtdaten wie Abfahrtzeit beim Grosso, Ankunft und Abfahrtzeit beim Kunden, mit den ermittelten Daten konnte hier im Rahmen des Qualitätsmanagements Einfluss auf die Speditionsfahrer genommen werden“, erzählt Dr. Otto. Abweichungen von Tourenvorgaben und unerklärbare Standzeiten werden durch das System sehr präzise festgestellt und können mit dem Fahrer besprochen werden. Die zugespielten Stammdaten der Einzelhändler (Adressdaten, Öffnungszeiten usw.) und Bewegungsdaten wie Mengen und Gewichte bilden dann die Grundlage für eine Tourenoptimierung einzelner Touren oder auch für das Gesamtgebiet.
Das Berliner Speditionsunternehmen P&H Logistik AG fährt alle Touren. Der Presselogistiker, der auch für andere Medienunternehmen arbeitet, hat sich nach Gesprächen mit dem Grossisten und dem Entwickler PLT eigene Geräte angeschafft und auch die Software im Einsatz. Damit sei ein Austausch von Informationen möglich. „Wir nutzen die Geräte abgestimmt zur Verbesserung des Qualitätsmanagements“, so Dr. Otto.
Besonderheiten des Vertreibsgebietes
Der PVP ist mit 11.300 qkm flächenmäßig einer der sehr großen Grossisten in Deutschland. „Von der Einwohneranzahl (ca. 983 Tsd.) und EH-Anzahl (ca. 1.400) reichen wir allerdings nicht an den Grosso-Durchschnitt heran“, erklärt Fred Schumacher die besonderen Anforderungen. Eine Besonderheit ist die Nähe zu Berlin und die daraus entstehende Heterogenität des Vertriebsgebietes. „So machen wir im Berliner Speckgürtel auf circa zehn Prozent der Fläche etwa 50 Prozent des Umsatzes.“ Eine tägliche Fahrstrecke von etwa 5.500 km (siehe Kasten PVP) und Tourenlängen zwischen 80 und über 300 Km mit Fahrtzeiten über 5,5 Stunden zeigen neben den vertrieblichen, auch ganz erhebliche logistische Herausforderungen. „Wenn wir trotzdem bis auf einige Tankstellen im Normalfall alle Kunden pünktlich vor Ladenöffnungszeit beliefern, ist das eine beachtliche logistische Leistung und damit eine Voraussetzung für optimale Marktausschöpfung“, findet Schumacher. Unterstützt werde das durch eine sehr kooperative und verständnisvolle Zusammenarbeit mit den Tageszeitungsverlagen: „Nachliefertouren am Tage fahren wir nur punktuell und dann fast ausschließlich im Speckgürtel.“
Tourenoptimierung und weitere Ziele des Projektes
Das Hauptziel des Einsatzes ist natürlich die Tourenoptimierung. Nach Auskunft von Dr. Otto gelinge es, durch den Einsatz des PLT-Moduls ,freie Optimierung‘ Touren zusammenzulegen, Touren zeitlich günstiger zu gestalten und für bestimmte Wochentage und Feiertagssituationen den Aufwand für die Tourenplanung deutlich zu verringern. „Da gibt es in jedem Falle Optimierungsmöglichkeiten“, so Dr. Otto. Der EDV-Leiter sorgt dafür, dass die Geokoordinaten und andere ermittelte Informationen wie Ankunftszeiten beim EH im Microsoft Dynamics gespeichert werden. Die Kundenbetreuung verfügt somit über die aktuelle Anlieferzeiten und kann dadurch bei Beschwerden und Problemen zielgerichteter Einfluss nehmen. „Durch die geplante Schnittstelle der Software TrackPilot zu einem handelsüblichen Navigationssystem wird es außerdem möglich sein, den Fahrer mit den entsprechenden Routen und Informationen über die Anlieferung bei seiner Tätigkeit zu unterstützen“, so Schumacher.
Darüber hinaus werden zusätzlich vertriebliche Nutzungsmöglichkeiten geschaffen. EDV-Leiter Krüger: „Bei uns wird Geomarketing schon sehr lange mit dem Programm RegioGraph betrieben, heute in der aktuellen Version 11 im Einsatz. Durch die Geokoordierung in der WGS 84–Struktur entfällt der hohe manuelle Aufwand, die Verkaufsstellen im Programm zu setzen. Die entsprechende Schnittstelle stellt die Geokoordinaten gemeinsam mit selektierten Umsatz- oder Bewegungsdaten für die unmittelbare Weiterbearbeitung in RegioGraph bereit.“ Schumacher schildert mögliche Anwendungen: „Aus der Warenwirtschaft lassen sich sämtlich Stamm- und Bewegungsdaten, bis zu Objektverkaufsdaten, den EH-Standorten zuordnen. Diese Informationen können im vorliegenden Kartenmaterial beliebig dargestellt werden.“ Durch die Visualisierung der EHStandorte hatte der Innendienst einen besseren Überblick über die unmittelbare Situation (z.B. Wettbewerbsumfeld, Umkreishändler) des Einzelhändlers im Mikromarkt.
Mit diesen Erkenntnissen können Einzelhändler zusammengefasst und in ihrer wechselseitigen vertriebliche Beeinflussung untersucht werden, so Schumacher: „Wir schaffen eine zusätzliche sehr flexible Ebene zwischen den beim PVP verwendeten lokalen Märkten und Cluster sowie dem einzelnen EH.“ (jd)
